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Werner
Schacker
Im Dezember
2002 trafen sich führende Wissenschaftler und Feldenkrais-Lehrer
in Paris zu einem Dialog (1) . In einer entspannten, angenehmen und
anregenden Atmosphäre hörte sich eine Gruppe von Feldenkrais-Lehrern
aus aller Welt vier Tage lang interessiert Vorträge an. Das
war ein wichtiger Anfang, aber noch kein wirklicher Dialog. Ich habe
mich von diesen Vorträgen und Gesprächen mit Kolleginnen
und Kollegen anregen lassen, ein paar Gedanken zum Verhältnis
Feldenkrais und Wissenschaft aufzuschreiben. Dies ist eine persönliche
Antwort, die ebensoviel mit dem, was mir dort begegnet ist - und
was ich dort vermisst habe -, zu tun hat, wie mit meinem persönlichen
und beruflichen Hintergrund. Andere würden andere Antworten
finden. So könnte ein weiterführender Dialog entstehen.
Meine Gedanken sind eher assoziativ und fragmentarisch als systematisch.
Sie wollen eine Diskussion anregen, nicht etwas belegen und begründen.
Wissenschaft
und Feldenkrais
Ein
Feldenkrais-Lehrer erwirbt in seiner Ausbildung ein „Wissen“,
auf das er in seiner Praxis zurückgreift und in einem Lernprozess
gemeinsam mit seinen Klienten weiterentwickelt. Es ist ganz offensichtlich
von anderer Art, als das, was traditionell in der „Wissenschaft“ (2)
als Wissen gilt. Das macht einen Dialog schwierig und interessant zugleich.
Die Feldenkrais-Methode ist zuerst einmal eine experimentelle Praxis,
die von bestimmten expliziten und impliziten Grundannahmen geleitet
wird, in die eine
Reihe unterschiedlicher Erfahrungen/Konzepte/Theorien..... (3) eingegangen
sind. Das geschieht bis heute weitgehend unsystematisch, weitgehend ungeklärt
und eher nach persönlichen Vorlieben und Zufällen. Es herrscht, wie
Petzold das kritisch angemerkt hat, „eine relative Stagnation, was Forschung,
theoretische Modellentwicklung, klinische Erprobung ... anbelangt.“(Petzold
2001, S.233) Zugleich gibt es einen gewissen Druck, sich wissenschaftlich zu
legitimieren, verbunden mit der Hoffnung nach besserer gesellschaftlicher Anerkennung.
Und, zumindestens bei mir, einen Wunsch nach einem theoretisch plausiblen Konzept
für die Feldenkrais-Methode, das auf der Höhe der Zeit ist und unsere
Praxis vertieft und bereichert. Gemeint sind hier nicht Wirksamkeitsstudien,
die sicher ihren Wert haben und z. B. für eine Etablierung im Gesundheitssystem
notwendig sind. Solche Studien helfen bei der Entwicklung einer wissenschaftlich
fundierten, dialogfähigen Konzeption allerdings nicht viel weiter. Ein
Nachweis der Wirksamkeit bedeutet ja nicht notwendiger Weise, dass man die
Wirkmechanismen verstanden hat.
In „Abenteuer im Dschungel des Gehirns“ hat Moshè Feldenkrais
geschrieben, dass die Arbeitshypothese dieser Fallbeschreibung „irgendwo
zwischen Intuition und der Glaubenslehre einer kommenden Wissenschaft“ liegt
(Feldenkrais1981, S.7). Von dieser kommenden Wissenschaft sind wir immer noch
weit entfernt. Aber die Bedingungen dafür sind besser geworden. Eine solche
Wissenschaft lässt sich nur im Dialog entwickeln. Mir geht es hier um
einige Möglichkeiten und Bedingungen eines solchen Dialogs mit den unterschiedlichen
Wissenschaften und was Feldenkrais-Lehrer und Wissenschaftler dabei voneinander
lernen könnten. Ich werde bei der Feldenkrais-Praxis beginnen, um dann
zu skizzieren, wie sich daraus eine eigene Sprache entwickelnde könnte.
Unterschiedliche
Praxis-, Erfahrungs- und Wissensformen
Die
Feldenkrais-Methode ist eine Praxis, eine praktische Kunst (4), Bewegung
so zu nutzen, dass ein grundlegender Lernprozess angestoßen wird.
Es wird immer wieder betont, dass es dabei nicht nur um mehr Beweglichkeit
im Sinne einer Physiotherapie geht, sondern um mehr Selbstbewusstsein
und reiferes Verhalten (5).
Natürlich gehen wissenschaftlich gewonnene Erkenntnisse in diese Praxis
ein. Aber die Entscheidung, das eine oder andere zu tun, der nächste Schritt,
hängt nicht von externen Regeln, äußerem Wissen und bestimmten
Techniken ab, sondern von der lebendigen Erfahrung zwischen den Beteiligten
im Kontakt. Das ist eine experimentelle Situation. In dieser Situation geht
es aber nicht, wie in einem wissenschaftlichen Experiment, um objektivierbare
Daten, sondern um den nächsten passenden Schritt in einem Lern- und Wachstumsprozess.
Das Wissen, das sich dabei entwickelt, verdankt sich einem hohen Grad der Genauigkeit
der Wahrnehmung und der entwickelten Bewusstheit (6). Es ist zutiefst den existenziellen
Vorgängen verpflichtet, durch die hindurch es zustande kommt.
Alles was wir von anderen Wissenschaften aufnehmen, müsste in dieses Wissen
integrierbar sein und an diese Vorgänge zurückgebunden werden können.
Geht man vom ge-/erlebten Leben aus, einer Phänomenologie des Spürens
und Erfahrens, dann sind Begriffsordnungen Unterscheidungssysteme zweiter Ordnung
(7). Wenn wir versuchen mit Begriffen Ordnung zu schaffen, dann ordnen, systematisieren
wir unser Erleben, unsere Erfahrungen. Jede Übertragung einer Erfahrungsordnung
in eine Begriffsordnung ist prinzipiell ärmer als die gelebte Erfahrung.
Die Begriffsordnungen der Naturwissenschaften sind denkbar weit von uns zugänglichen
Erfahrungen entfernt. Zwischen dem Erleben von Angst und was man davon in Worte
fassen kann und einer wissenschaftlichen Beschreibung dessen, was dabei in
der daran beteiligten Amygdala (8) vorgeht besteht ein nicht überbückbarer
Unterschied (9). Die Begriffsordnungen der (Natur)-Wissenschaften sind deshalb
nicht so einfach in die Praxis eines Feldenkrais-Lehrers zu übertragen.
Jedes Wort, jeder Satz, jede Bezeichnung, die wir finden, um eine Erfahrung
zu repräsentieren und zu verkörpern, macht diese Erfahrung ärmer
und deutlicher zugleich. Deshalb müssen, die Begriffe/Konzepte und die
Sprache immer wieder zurückgebunden werden an das Erlebte, Erfahrene .....
an die Prozess, und sich daraus wieder weiter entwickeln. Es ginge also darum,
aus dieser Praxis heraus eine eigene Sprache zu finden, die systematisch, methodisch,
genau, empirisch, ....., und doch anders ist als die Sprache einer Dritte-Person-Wissenschaft.
Ich bin sicher, dass es bei den Feldenkrais-Practitioner einen reichen Schatz
von Erfahrungen, Wissen und Wahrnehmungsfähigkeiten gibt, der noch gar
nicht wirklich entdeckt und zur Sprache gekommen ist. Und der auch für
Wissenschaftler interessant ist.
Exkurs:
Körper/Leib/Soma
Die
Naturwissenschaften sind in den letzten zweihundert Jahren dadurch
erfolgreich gewesen, dass sie alles, was sie beobachten und womit sie
sich wissenschaftlich beschäftigen, auseinander nehmen, isolieren,
um es genau und exakt zu untersuchen und zu messen. Das Ganze soll
dann aus den Einzelteilen wieder zusammengesetzt werden. Die Naturwissenschaften
behandeln den Körper dementsprechend wie eine Maschine, dessen
Einzelteile man getrennt untersuchen und dann irgendwie wieder zusammensetzen
kann. Das ist ein sehr erfolgreiches Modell in unserer Geschichte.
Unser lebendiger Körper, wie wir ihn von innen erleben, kommt
darin nicht vor.
Dieses erfolgreiche, aber auch begrenzte Modell, hat durch den Systembegriff
eine grundsätzliche Kritik erfahren, der den Zusammenhang und die Wechselbeziehungen
eines Ganzen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt. Das ist ein
zweites erfolgreiches Modell geworden und in der Wissenschaft heute gar nicht
mehr wegzudenken. Und weil es etwas zu thematisieren erlaubt, was vorher ausgeblendet
wurde, übt es eine gewisse Faszination, auch auf Feldenkrais-Lehrer, aus.
Ich glaube, dass wir noch ein drittes Modell brauchen (10). Denn in den beiden
ersten Modellen kommt auf unterschiedliche Weise, unser lebendiger, gelebter,
von innen gespürter Körper/Leib..... gar nicht vor.
Jedes dieser Modelle trägt zum Verständnis etwas bei. Es geht also
nicht darum zwischen ihnen zu wählen, sondern eher sie miteinander ins
Spiel zu bringen. Ansätze zu einem solchen dritten Modell und seine möglichen
Verbindungen zu den anderen Modellen gibt es schon (11). Ich möchte hier
daran anknüpfend ein paar Überlegungen zum lebendigen Körper/Leib
vorstellen, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, warum es für
die Feldenkrais-Methode notwendig ist, ein weiteres Konzept vom menschlichen
Körper (12) zu haben, als in den Naturwissenschaften üblich.
Der lebendige Körper/Leib ist eine Zeitgestalt. In ihm ist auf besondere,
noch kaum verstandene Weise, die Geschichte der Evolution, unserer Gattung,
die besondere Geschichte unserer Kultur in der wir leben mit unserer individuell
gelebten Geschichte verwoben. Der Leib ist Gedächnis. Er bewahrt die Erinnerung
an diese Geschichte. Gedächnis gibt es auf allen Ebenen der Evolution
und ist nicht an ein Bewusstsein gebunden. Unser Leib reicht tiefer als unser
Bewusstsein. Er ist verkörperte Geschichte, bis in die Physiologie. In
dem objektivierbaren Körper ist das nicht auffindbar.
Lebendige „Systeme“ sind bewegte Beziehungsgefüge, die nur
in Beziehungen existieren und sich in und durch sie entwickeln. Jedes beobachtbare
Verhalten und jede beobachtbare Struktur zeigt/verkörpert.... die bis
zu diesem Zeitpunkt gelebte Beziehungsgeschichte (13). Das gilt auch für
ein Nervensystem, das Gehirn, wie für jedes andere Organ. Hüther
nennt z.B. das Gehirn ein Sozialorgan.(Hüther 2001, S.18) (14) Wenn wir
mit einem solchen „System“, dem lebendigen Körper/Leib arbeiten,
dann kommt die Antwort, die wir erhalten, wenn wir etwas tun/sagen.... aus
dieser Geschichte und bringt einen bestimmten Prozess vorwärts oder blockiert
ihn. Jeder Schritt ist die Fortsetzung einer bestimmten Geschichte.
Es ginge also darum, den lebendigen/gelebten Körper/Leib als bewegtes
Beziehungsgefüge wahr-zunehmen und auch theoretisch und konzeptionell
ernst zunehmen.
Neue Lebensmöglichkeiten, neue Lebens- und Bewegungsmuster haben natürlich
immer auch eine entsprechende neurophysiologische Grundlage, aber diese erklärt/begründet/verursacht....
sie nicht.
Moshé Feldenkrais hat in seinen konzeptuellen Überlegungen einen
wichtigen Schritt getan, weg vom Maschinenmodell des menschlichen Körpers. „He
put the human brain in the organism.“ (Wildman S. 9) Das hat, schon bei
ihm, zu der Tendenz geführt, über Menschen zu sprechen, als wären
sie ein (Nerven-) System (15). In seiner Theorie bleibt er damit dem Dualismus
seiner Zeit verhaftet, auch wenn er ihn in seiner Praxis überwunden hat.
Zur
eigenen Sprache finden.
Wenn
wir in einen Dialog mit anderen treten wollen, müssen wir sagen
können, was uns in unserer Arbeit wichtig ist, welche Erfahrungen
wir dabei machen und zu welchen Erkenntnissen wir dabei kommen. Wir
müssen dazu unsere eigene Sprache entwickeln und einüben.
Das ist nur im Dialog möglich. Wir stehen damit nicht allein und
nicht ganz am Anfang. Andere Methoden/Verfahren/Wissenschaften ...
stehen oder standen vor ähnlichen Problemen. Die Integrative Bewegungstherapie
von Petzold oder die integrative Bewegungslehre von Moegling (16) sind
z.B. Versuche, eine eigene Sprache im Gespräch mit verschiedenen
Disziplinen zu entwickeln. Auch Moshé Feldenkrais hat seine
Methode im Dialog mit den unterschiedlichsten Gesprächspartnern
entwickelt. Wir müssen heute einen Schritt darüber hinausgehen
und die Kluft zu überwinden versuchen, die weiterhin besteht zwischen
dem in unserer Praxis eingebettetem Wissen und der Darstellung dieses
Wissens.
Wie lässt sich eine solche Sprache finden, die die ganze Subtilität
unserer Erfahrungen ausdrücken kann? Ein erster wichtiger Schritt ist
sicher das Schreiben von Falldarstellungen, die schriftliche Dokumentation
unserer Arbeit. (17) Die Praxis der Video-Aufnahmen, die sich inflationär
ausgebreitet hat, hat die sprachliche Dokumentation der Arbeit ganz verdrängt
oder gar nicht erst entstehen lassen. Man stelle sich einmal vor, Moshe Feldenkrais
hätte viel mehr Fallbeschreibungen, wie „Abenteuer im Dschungel
des Gehirns“ geschrieben, statt die Dokumentation seine Arbeit den Videos
zu überlassen.
Das Verbalisieren und Schreiben ist entscheidend für jede seriöse
Erforschung subjektiver Erfahrung. Man muss allerdings erst lernen, möglichst
nahe an der gelebten Erfahrung zu bleiben, sich vor allen schnellen Formulierungen
zu hüten, geduldig dabei zu bleiben. Dann kann sich eine Sensibilität
für die Nuancen entwickeln, die zwischen Erfahrung und ihrer Verbalisierung
existieren. Es könnte sich eine Sprache entwickeln, die aus der Erfahrung
kommt und immer wieder zu ihr zurück geht, statt ein Kommentar über
die Erfahrung zu sein. Das ist auch immer wieder ein Schritt hin zu mehr Bewusstheit.
Aber die Sprache kann nicht nur ausdrücken was wir schon wissen, sondern
wir können mit ihrer Hilfe auch einen Zugang zu dem finden, was in unserer
Praxis implizit da und vielleicht nur vage spürbar ist, was wir aber noch
nicht sagen können, was vielleicht noch nie versucht wurde zu sagen. So
entstehen neue „Daten“ und Konzepte, die dann mit den üblichen
Konzepten und Daten verbunden werden können.
Der Philosoph und Psychotherapeut Gendlin hat im Rahmen der Psychotherapie
ein sehr interessante Methode entwickelt, die er Focusing nennt. Er geht dabei
von einer alltäglichen Beobachtung aus, die jeder Mensch immer wieder
macht, häufig ohne diesen Vorgang bewusst wahrzunehmen. Ich schreibe z.B.
jetzt einen Satz hin und bleibe dabei stecken. Ich habe ein unbestimmtes Gefühl,
das er so noch nicht stimmig ist. Ich versuche es mit anderen Wörtern,
die ich auch verwerfe. Sie sagen immer noch nicht ganz, was ich sagen möchte.
Dieses undeutliche Gefühl – Gendlin spricht vom „felt-sence“ – ist
offensichtlich genauer, als das, was ich jetzt aufschreiben kann, enthält
mehr, als ich bis jetzt in Worte fassen kann. Wie weiß ich dann, dass
ich den passenden Satz gefunden habe? Ich spüre es in meinem Körper!
Focusing ist der methodisch geleitete Prozess, sich diesem „felt-sense“ zuzuwenden
und das in ihm implizite weiter zu bringen.(18) Was hier für das Zusammenspiel
von leiblichen Empfindungen und Sprache gesagt wurde, lässt sich natürlich
auch auf Bewegung übertragen. So gibt es ein impliziten Gefühl für
gute Bewegung, für die Stimmigkeit einer bestimmten Bewegung in einer
Situation.
Gendlin überträgt dieses, aus der psychotherapeutischen Situation
heraus entwickelte Modell, auch auf die Entwicklung von theoretischen Konzepten.(19)
Dialog
Ein Dialog lebt von Unterschieden und von gegenseitiger Anerkennung und Respekt.
Er setzt die Bereitschaft auf beiden Seiten voraus, zu lernen, sich in
Frage zu stellen, vielleicht liebgewordene Gewohnheiten aufzugeben. Sind
wir dazu bereit? Wenn wir das Eigene in unserer Arbeit ernst nehmen, dann
können wir in diesen Dialog etwas wichtiges einbringen. Dazu müssen
wir es, wie gesagt, angemessen formulieren können.
In den
letzten Jahren ist in den verschiedensten Disziplinen der Körper,
die Bewegung und die subjektive Erfahrung neu entdeckt worden. Oft
allerdings in einem akademischen Rahmen, ohne entsprechende Körpererfahrung.
Feldenkrais-Lehrer könnten einen selbstbewussten Teil dieser
Bewegung sein, in die sie ihrer vielfältigen Erfahrungen mit
Bewusstheit und Bewegung einbringen.
Vielstimmigkeit des Dialogs
Die
Wirklichkeit ist vielstimmig. Jede Methode, jedes Konzept, jede
Theorie bringt etwas anderes Eigenes mit. So entsteht ein vielstimmiger
Chor, der mehr ausdrückt als eine einzelne Stimme. Für
uns gibt es viele mögliche Gesprächspartner. Wir sollten
nicht nur auf die Naturwissenschaften setzen.
Unsere Praxis ist gewissermaßen immer schon interdisziplinär und
vielstimmig, denn wir haben es immer mit lebendigen Menschen zu tun, die sich
in die disziplinären Grenzen und Zergliederungen nicht einordnen lassen.
Das ist unsere Stärke. Unsere Glaubwürdigkeit als Feldenkrais-Lehrer
in diesem Dialog wird auch davon abhängen, dass wir fähig sind, zu
sagen, wie wir uns und die Welt erleben, und dann auch zu leben, was wir sagen,
und immer wieder bereit sind, zu lernen aus dem, was wir erleben.
............................................
Kurzbiographie
Diplom-Pädagoge. Feldenkrais-Ausbildung bei Mia Segal. Aus- und Weiterbildung
in Gestalt-Therapie, Hypnosetherapie (MEG), Energetische Psychologie. Arbeitet
in freier Praxis in Darmstadt (als Feldenkrais-Lehrer seit 1989).
Literatur
Feldenkrais,
Moshè. (1881): Abenteuer im Dschungel des Gehirns. Der Fall Doris.
Frankfurt am Main: Suhrkamp
Feldenkrais,
Moshè. (1985): Die Entdeckung des Selbstverständlichen.
Frankfurt am Main: Insel.
Feldenkrais,
Moshè. (1989): Das starke Selbst. Anleitung zur Spontaneität.
Frankfurt am Main: Insel.
Gendlin,
Eugene T. (1993): Die umfassende Rolle des Körpergefühls
im Denken und Sprechen. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie,
4/1993. Berlin: Akademie.
Gendlin,
Eugene T. (1999): Focusing in der Praxis. Eine schulenübergreifende
Methode für Psychotherapie und Alltag. Leben lernen 131. Stuttgart:
Pfeiffer bei Klett-Cotta.
Hüther,
Gerald. (1997): Biologie der Angst. Wie aus Stress Gefühle werden.
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Hüther,
Gerald. (2001): Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn.
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Hüther,
Gerald. & Bonney, Helmut. (2002): Neues vom Zappelphilipp. ADS:
verstehen, vorbeugen und behandeln. Düsseldorf/Zürich:
Walter.
Johnson,
Don Hanlon Ed. (1997): Groundworks. Narratives of Embodiment. Berkeley:
North Atlantic Books.
LeDoux,
Joseph. (1998): Das Netz der Gefühle. Wie Emotionen entstehen.
München, Wien: Hanser
Moegling,
Kaus (Hrsg.) (2001, 2002):Integrative Bewegungslehre I-III. Kassel:
Prolog Verlag.
Petzold,
Hilarion (1988): Integrative Bewegungs- und Leibtherapie Bd. I/1
und I/2. Paderborn: Junfermann.
Petzold,
Hilarion. (2001): Überlegungen zu Praxeologien – körper-
und bewegungsorientierte Arbeit mit Menschen aus integrativer Perspektive.
In: Steinmüller, W./Schaefer, K./Fortwängler (Hrsg.) (2001):
Gesundheit – Lernen – Kreativität. Alexander-Technik,
Eutonie Gerda Alexander und Feldenkrais als Methoden zur Gestaltung
somatopsychischer Lernprozesse. Bern: Hans Huber.
Wildman,
Frank : Emotional Learning: Developing Emotional Intelligence. Feldenkrais
Journal Issue # 4
Notes
- Learning,
brain and movement: A dialogue between leading scientists and Feldenkrais
teachers. !2- 15 Dezember in Paris. Die beteiligten Wissenschaftler
waren: Prof. Esther Thelen, Prof. Beatrix Verheijken, Prof. Blandine
Bril, Prof. Klaus Schneider, Prof. Alain Berthoz.
- Ich
setzte hier Wissenschaft in Anführungszeichen weil ich hier
auf Unterschiede in den Wissenschaften nicht eingehen kann. „Die“ Wissenschaft
gibt es nicht! Statt dessen gibt es selbst innerhalb der „exakten“ Wissenschaften
eine Vielzahl konkurrierender Konzepte, Theorien, die, oft auf
der gleichen Datenbasis, zu ganz unterschiedlichen Interpretationen
und Einschätzungen kommen. Das gilt besonders für so
junge Disziplinen wie die Kognitionsforschung oder die Gehirnforschung.
Wer also hier nach Orientierung und festem Halt sucht, wird schnell
enttäuscht werden. Auch das ist ein Grund, nach etwas eigenem
für die Feldenkrais-Methode zu suchen.
- Ich
benutze hier, wie ich das von Gendlin gelernt habe, öfter
eine Kette von Wörtern anstelle eines einzigen Wortes, um
mich von keiner bestimmten Formulierung einschränken zu lassen
und um das Offene, Suchende und noch Unfertige zu betonen. Die
fünf Punkte lassen Platz für andere mögliche Wörter.
Platz auch für Ihre eigenen Wörter, Vorstellungen und
Assoziationen. So kann etwas Neues entstehen. (Vgl. z.B. Gendlin
1993)
- Jede „Kunst“ bildet
ihren eigenen, vorwiegend praktischen, Wissenskanon aus, der „am
eigenen Leib“, in praktischen Zusammenhängen, erworben
werden muss. Er lässt sich nicht aus Büchern lernen.
Man nehme als Beispiel die Kochkunst. Es ist möglich ein außerordentlich
guter Koch zu sein, ohne etwas über Lebensmittelchemie und
chemische Reaktionen im exakten naturwissenschaftlichen Sinne zu
wissen. Sonst wären die Lebensmittelchemiker die besseren
Köche. Die Kochkunst ist älter als die Lebensmittelchemie
und sicher elaborierter, differenzierter, feinerer Unterscheidungen
fähig. Auch in dieser Kunst hängt die Qualität von
einem differenzierten Wahrnehmungsvermögen, einer Verfeinerung,
Kultivierung und Bildung der Sinne wesentlich ab. Natürlich
wird ein guter Koch auch etwas über chemische Prozesse wissen
wollen und dieses Wissen wird dann auch in seine Arbeit eingehen.
- Vgl.
Moshé Feldenkrais (1985, 1989)
- Darum
geht es ja in der Feldenkrais-Ausbildung. Das ist eine ganz andere
berufliche Sozialisation, als die eines Wissenschaftlers. Auch
bei diesen gibt es natürlich hoch differenzierte Formen der
Wahrnehmung, von deren Unterscheidungsvermögen auch Feldenkrais-Lehrer
lernen können.
- Vgl.
Kersting, H.J.: „Man sieht nur das, was man sieht“ (Humberto
Maturana) Beobachtungen zweiter Ordnung zur „feldenkrais
zeit“. (in diesem Heft)
- Die
Amygdala ist Teil des Limbischen Systems und hat eine zentrale
Bedeutung für die Entstehung von Emotionen.. Vgl. z.B.: Hüther
(1997), LeDoux (1998).
- Das
ist nicht nur für uns ein Problem sondern auch z.B. in der
Bewusstseinsforschung: wie können z.B. Erste-Person-Daten
mit Dritte-Person-Daten verbunden werden.
- Vgl.
Gendlin
- Vgl.
z.B. die Arbeiten von Gendlin und Varela. Viele ihrer Arbeiten
kann man im Internet finden.
- Das
gilt natürlich auch für entsprechend andere Begriffe,
die in der Feldenkrais-Arbeit von Bedeutung sind, z.B. Bewegung.
Wie muss Bewegung verstanden werden, damit Bewusstheit durch Bewegung
einen ausweisbaren Sinn macht? Bewegung als Fortbewegung zu definieren
reicht nicht aus.
- Wer
die Schriften von Maturana kennt, wird vielleicht merken, dass
diese Formulierungen Rückübersetzungen seiner Überlegungen
zu autopoietischen Systemen sind.
- „ Noch
immer finde ich es spannend, was es in so einem Gehirn alles zu
zerlegen, zu messen und zu untersuchen gibt. Aber ich glaube inzwischen
nicht mehr daran, dass es uns auf diese Weise jemals gelingt zu
verstehen, wie ein Gehirn, gar ein menschliches Gehirn, funktioniert.
Im Gegenteil: Diese Art von Forschung verleitet uns dazu, immer
gerade das, was wir besonders gut zerlegen, messen und untersuchen
können, als besonders wichtig für die Funktionsweise
des Gehirns zu achten.“ (Hüther 2001, S.9)
- Interessanterweise
war es auf dem Kongress in Paris eine renommierte Wissenschaftlerin,
Prof. Esther Thelen, die Feldenkrais-LehrerInnen darauf aufmerksam
machen musste, dass sie nicht mit einem Nervensystem, sondern mit
einer Person arbeiten.
- Moegling,
K. (Hrsg.) (2001 u. 2002), Petzold (1988)
- Vgl.
z.B. das Projekt „Groundworks. Narratives of Embodyment” von
Don Hanlon Johnson u.a. (Johnson 1997).
- Das
ist natürlich hier eine sehr verkürzte Darstellung. Eine
gute Einführung ins sein Denken vermittelt das Buch Focusing
in Aktion (Gendlin 1999). Dort gibt es auch ausführliche Literaturhinweise.
Zur Funktion des Leibes in der Sprache schreibt er: (a) Der Leib
ist (hat, fühlt, lebt ...) ein Implizieren weiterer Ereignisse.
(b) Der Leib hat Intentionalität, d.h., er hat (fühlt,
weiß, ist, impliziert ...) Situationen.. (c) Der Leib hat
Sprache auf implizite Weise in sich. (Situationen sind darüber
hinaus ineinander implizit enthalten.) (d) Die Wörter stellen
sich zum Aussprechen ein, sie kommen zu uns auf eine leibliche
Weise, manchmal fließend, manchmal nach einem ..... Wenn
die Wörter nicht kommen, sind wir blockiert und müssen
auf sie warten. (Gendlin 1993, S. 702)
„Wir brauchen nicht nur den Felt Sense und die Begriffe, die in ihm schon
implizit sind.
- Wir
brauchen auch die systematischen Begriffe und begrifflichen Zusammenhänge.
Viele von uns glauben, es gäbe ein Entweder-Oder, als ob man
durch Begriffe/Konzepte sofort die erlebte Situation verlieren
müsse. Es ist aber umgekehrt: Je schärfer die Begriffe/Konzepte,
desto mehr können sie die erlebte Situation fortsetzen und
weiterführen. Ob sie das tun, kann man aber nur wissen, wenn
man beides, Begriffe/Konzepte und Erleben, beibehält. Wir
brauchen neue systematische Begriffe/Konzepte, die so sind, dass
sie das Erleben beibehalten (...).“ (Gendlin, 1999, S. 129)
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