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Uwe
Laumer
Diplomarbeit
als Teil der Diplomprüfung für Psychologie.
Universität Regensburg 21.9.1993
Zusammenfassung
Das Ziel der vorliegenden Arbeit war, Wirkungen der Feldenkrais-Gruppenmethode
'Bewußtheit durch Bewegung' bei eßgestörten Patienten
im Rahmen eines stationären Therapieprogramms zu erfassen. Ausgehend
von der geschichtlichen Entwicklung der Feldenkrais-Methode und ihrer
Einordnung in die Vielfalt körper- und bewegungstherapeutischer
Verfahren werden zunächst die theoretischen Grundlagen der Methode
erläutert, um dann näher auf die grundlegenden Prinzipien
der Gruppenmethode einzugehen und verschiedene Anwendungs- und Forschungsgebiete
anzudeuten. Anschließend erfolgt die Darstellung von Symptomatik,
diagnostischen Kriterien, Epidemiologie sowie Erklärungs- und
Behandlungsansätzen der drei Eßstörungsformen Anorexia
nervosa, Bulimia nervosa und Adipositas und ihrer Gemeinsamkeiten,
sowie eine Beschreibung des Behandlungskonzepts von Eßstörungen
der Psychosomatischen Klinik, in der die Untersuchung durchgeführt
wurde.
Aus der Wirkmöglichkeit einer körper- und bewegungstherapeutischen
Herangehensweise an die Problematik der Eßstörungen geht schließlich
die Fragestellung und Zielsetzung der empirischen Untersuchung hervor. Um im
Rahmen eines integrativen stationären Therapieprogramms die Wirkungen
eines Feldenkraiskurses herauszufiltern, wurden anhand von Fragebögen
Veränderungen in den Bereichen der Zufriedenheit und Akzeptanz des eigenen
Körpers, der psychischen Befindlichkeit und weiteren eßstörungstypischen
Bereichen erfaßt. Eine weitere Frage bezog sich auf die individuellen
Erfahrungen der Kursteilnehmer.
Für den quantitativen Teil der Untersuchung kam dabei ein Fremdwartegruppen-Design
zur Anwendung. Eine Gruppe von 15 eßgestörten Patienten (mit Anorexia
nervosa, Bulimia nervosa und Adipositas) nahm zusätzlich zur Standardtherapie
an einem speziell auf die Eßstörungsproblematik abgestimmtem Feldenkrais-Kursprogramm
mit neun Terminen innerhalb von vier Wochen teil. Diese Gruppe wurde mit einer
weitgehend parallelisierten Kontrollgruppe verglichen, die Standardtherapie
ohne Feldenkrais erhielt. Die Patienten beider Gruppen nahmen im Untersuchungszeitraum
an keiner anderen bewegungstherapeutischen Behandlung teil. Nach Abschluß des
Kurses wurden zusätzlich mit den Teilnehmern der Experimentalgruppe Interviews
durchgeführt.
Die quantitativen Ergebnisse zeigten Verbesserungen in der Zufriedenheit mit
eßstörungsspezifischen problematischen Körperzonen und der
eigenen Gesundheit, sowie der Akzeptanz und Vertrautheit mit dem eigenen Körper.
Weiter zeigte sich eine Zunahme von spontanem und selbstsicherem Verhalten,
die Abnahme eines Gefühls der Hilflosigkeit sowie des Wunsches, in die
Sicherheit der frühen Kindheit zurückzukehren.
Die qualitativen Ergebnisse, die sich auf offene Fragen und Interviews stützten,
weisen auf die Förderung der Körperbewußtheit, Klärung
des Körperbildes und die entspannende und angenehme Wirkung der Stunden
hin. Es wurden Tranceerfahrungen und - insbesondere während der Atemstunden
- emotionale Erlebnisse berichtet. Sieben Teilnehmer gaben positive Wirkungen
in bezug auf ihre Eßstörungsproblematik an. Die angesprochenen Bereiche
sind dabei die übermäßige gedankliche Beschäftigung mit
Essen, Figur und Gewicht, Veränderungen des Körperbildes, die Wahrnehmung
innerer Reize wie Hunger und Sattheit sowie alternative Verhaltensweisen bei
einem Heißhungeranfall. Für manche Kursteilnehmer ergaben sich allerdings
in bestimmten Stunden auch Probleme wie Übelkeit oder Schwindelgefühle.
Schließlich wurde von einer Integration von Übungselementen in den
Alltag berichtet und acht Personen bekundeten ihr Interesse an einer Fortsetzung
des Kurses und weiterer Beschäftigung mit der Feldenkrais-Methode.
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